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Meindl

Meindl: Die bayerischen Tausendsassas

Lederhosen aus sämisch gegerbtem Hirschleder sind die Spezialität von Markus Meindl (2. von rechts).

Tradition, Trend und Technologie: Wenige Unternehmer schaffen es, diese drei gewaltigen Themen so perfekt unter einen Hut zu bringen wie die Meindls im bayerischen Kirchanschöring. Diese Familie hat eine einfache Schuhmacherei in Kirchanschöring zu einer weltbekannten Marke ausgebaut, genau genommen zu zwei Marken. Der Name Meindl steht in erster Linie für Lederhosen der Extraklasse aus sämisch gegerbtem Wildleder. Diese Meindls stellen auch Trachtenmode her, die in den Modemetropolen Mailand, Paris und New York gut ankommt. Ein anderer Familienzweig konzentriert sich auf Schuhe. Bei seinem Sprung aus 39 Kilometer Höhe im Jahr 2012 trug Felix Baumgartner Schuhwerk von Meindl.

Kirchanschöring - wo Bayern am schönsten ist

Ganz idyllisch liegt die über 3.000 Seelen zählende Gemeinde Kirchanschöring am östlichen Ufer des Wagginger Sees, fast direkt an der Grenze zu Österreich. Bereits im Jahr 1683 erwähnt eine Urkunde Petrus Meindl als ersten Schuhmacher in der Gemeinde. Seitdem ist mindestens ein Mitglied der Familie Meindl hier offiziell als Schuhmacher tätig. Den Grundstein des heutigen Trachten- und Schuh-Imperiums legt Lukas Meindl im Jahr 1928. Der Schuhmachermeister macht sich selbstständig und beginnt bereits 1934 damit, Lederkleidung aller Art herzustellen – von der Motorradkluft bis zu traditionellen Lederhosen und Lederjacken.

Idyllisch, aber nicht verschlafen: Kirchanschöring, der Heimatort der Meindls.
Weitblick hat Hannes Meindl immer bewiesen und damit das Unternehmen vorangetrieben.

Mit Weitblick neue Märkte erobert

Nach dem Zweiten Weltkrieg durchstehen die Meindls eine kurze Durststrecke. Es gibt kaum Leder, deshalb arbeitet man für Lohn. 1948 beschäftigt Alfons, Sohn von Lukas Meindl, bereits wieder 10 Mitarbeiter. Mit Hannes Meindl kommt 1955 frischer Wind in das Unternehmen. Er entwirft eine neue Kollektion und erschließt neue Märkte. Als Lukas Meindl 1974 stirbt, übernehmen Alfons und Hannes die Firma. Auch Schwester Marianne arbeitet im Betrieb. Mit Ski- und Bergschuhen hat Meindl mittlerweile weltweit Erfolg. Hubert Hillmayer erklimmt mit Schuhen von Meindl den Mount Everest. Durch die hohe Nachfrage beginnt Meindl, in Italien und Österreich zu produzieren. Hannes zeichnet sich unter anderem durch seine umfangreichen Bauprojekte aus. Er macht den Firmensitz in Kirchanschöring zu einem Schmuckstück.

Firmensitz der Meindls in Kirchanschöring.

Markus Meindl und Hubert von Goisern

Mit Markus beginnt 1994 endgültig der Siegeszug der Meindls. Markus Meindl entwirft mit dem Künstler Hubert von Goisern eine gemeinsame Kollektion. 1996 bekommt er den internationalen Designpreis der Messe München. Bisher war der Name Meindl im Alpenraum für Tracht gut bekannt. Markus Meindl baut den Namen zu einer internationalen Marke aus– und schafft es dabei, um den Massenmarkt einen weiten Bogen zu machen. Markus Meindl pocht wie seine Ahnen auf Qualität. Dabei versteht er es, Tracht und Tradition das bierernste, etwas angestaubte Image zu nehmen. Auf ein Logo kann er verzichten. Stattdessen kreiert er die Begriffe ‚alpiner Lifestyle’ und ‚authentic Luxury’. Das kommt bei den Oberen Zehntausend gut an – ob sie jetzt in München oder in Manhattan das nötige Kleingeld für Mode von Meindl verdienen.

Mit Hubert von Goisern entwirft Markus Meindl eine Kollektion, die Furore macht.

Das Unternehmen Meindl spaltet sich

2001 spaltet sich das Unternehmen. Hannes und Markus Meindl übernehmen den Bereich Kleidung, Lukas und Lars kümmern sich um die Schuhe. Mittlerweile arbeiten fast 500 der gut 3.000 Einwohner in Kirchanschöring für die Familie Meindl. Im Lauf der Zeit erweitert Markus das Sortiment. Extravagante Möbel, Decken und Kissen gesellen sich zu Lederhosen, Hosenträger, Taschen und Trachtenkleidung wie Jacken, Westen und Mieder. 2003 beginnt Meindl, Motorradkleidung für BMW zu entwickeln. Porsche stößt 2008 auf die Meindls. Von nun an entwirft Markus auch eine Fashion Kollektion für Porsche Design.

Meindl Haferlschuh Berchtesgaden

Ein Händchen für PR

Obwohl Markus Meindl nicht ständig auf das Rampenlicht schielt, hat er das gewisse Etwas, das die Medien lieben. Gekonnte Kollaborationen helfen, dass es mittlerweile Hunderte von Presseartikeln über Meindl gibt. Der Karl Lagerfeld der Trachtenszene entwirft 2014 eine Kollektion für Österreichs Volks Rock’n’Roller Andreas Gabalier. 2017 stellt Hublot pünktlich zum Oktoberfest die Big Bang Bavaria vor, eine Luxusuhr für weit über 20.000 Euro, die in Zusammenarbeit mit Markus Meindl entstanden ist. Außerdem sieht man Markus und seine Frau Daniela oft bei gesellschaftlichen Events, zum Beispiel beim Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel. Aus Kirchanschöring wird in den kommenden Jahren wohl noch viel zu erwarten sein. Markus Meindl: „Das Spannungsfeld zwischen Technik und gelebtem Handwerk sowie zwischen Stadt und Gebirge, ist das, was moderne Menschen begeistert und mich für unsere Produkte inspiriert.”

Bei der Vorstellung der Big Bang Bavaria (von links): Markus Meindl, Daniela Meindl, Ricardo Guadalupe von Hublot.

Sämisch gegerbtes Hirschleder

Sämische Gerbung ist ein arbeitsintensiver Prozess, der mehrere Monate dauert.

Der bevorzugte Rohstoff der Meindls setzt der Herstellung von Lederhosen und anderen Produkten eine natürliche Grenze. Sämisch gegerbtes Wildleder ist ein Material, das nur schwer in Massen aufzutreiben ist. Die Meindls arbeiten deshalb häufig exklusiv mit Gerbereien zusammen, die diese alte Technik noch anwenden. Dabei handelt es sich in der Regel um Familienbetriebe, denn bei der sämischen Gerbung ist viel Handarbeit gefordert.

Seit rund 6.000 Jahren gerben Menschen Leder auf diese Weise. Zuerst wird die Haut gesalzen und gesäubert. Anschließend reibt man mehrfach Fischtran in die Haut. Heute verwendet man dafür Tran von Dorschleber, früher nahm man auch den Tran von Robben und Walen. Diese ungesättigten Fettsäuren verbinden sich im Leder mit den vorhandenen gesättigten Fettsäuren und oxidieren. Das lässt die Haut aufquellen und kleine Kanäle für Luftaustausch bilden sich. Das Ergebnis ist ein samtweiches, geschmeidiges, hellgelbes Wildleder, das sich wie eine zweite Haut anfühlt. Schleifen und Färben mit Pflanzenfarben bereiten sämisch gegerbtes Hirschleder auf die Verarbeitung vor.

Lederhosen der Spitzenklasse

Bei Meindl entstehen die besten Lederhosen aus diesem Hirschleder. Die Preise dafür bewegen sich meist im vierstelligen Bereich. Allerdings bietet das Unternehmen auch Trachtenmode aus erschwinglichem Ziegenvelours an. Bei der Verarbeitung geht Meindl ebenso wenig Kompromisse ein wie bei der Auswahl des Materials. Obwohl das Unternehmen mittlerweile im Ausland produzieren lässt, liegt die Kontrolle fest in den Händen der Meindl-Familie. Markus kann jede Fabrik spätestens in sieben Stunden mit dem Auto erreichen.

Gamskogel, Erzherzog Johann oder Herrenchiemsee: Bei den Lederhosen aus Hirschleder bevorzugt Meindl historische Namen.
Unser Ladengeschäft in Geiselhöring finden Sie zentral zwischen Landshut, Dingolfing, Regensburg und Straubing.
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